Festschrift zum 2. Zuckmantler Treffen










Erstes Zuckmantler Treffen
Aus Platzgründen konnte dieser Bericht — wie auch andere Beiträge — erst in dieser Folge der Siebenbürgischen Zeitung erscheinen. Wir bitten die Leser um Verständnis.
Die SZ-Redaktion

Endlich wurde es wahr: daß die Zuckmantler Im Westen nach vielen Jahren der Trennung von Siebenbürgen auf ihrem ersten Treffen vom 27. bis 28. August 1982 in Nürnberg- Eibach ein frohes Wiedersehen feiern konnten.

Seit Jahren wurde dieser Wunsch von vielen Zuckmantlern ausgesprochen. Wer übernimmt Organisation, Gestaltung, Kosten und Verantwortung für ein so großes Vorhaben, wer opfert Zeit und Kraft freiwillig für die vielen andern? Vorbildlich hat ein ernannter Arbeitskreis alle Fragen gelöst.

Dank möchte ich im Namen aller Zuckmantler aussprechen: Helmut Müller, Heilbronn, als Gesamtorganisator; Karl Haydl, Grumbach, als Schriftführer; Wilhelm Müller, Nürnberg, für die Programmgestaltung und den Diavortrag; Erwin und Frau Erika Wester, Nürnberg, für die Einquartierungen und die organisatorischen Aufgaben; Heinrich und Frau Maria Funtsch, Nürnberg, für die Spendenverwaltung und organisatorischen Aufgaben; dem Ehepaar Georg und Elisabeth Theil, Nürnberg, und Frau Frieda Kramer, Nürnberg, für die Saalgestaltung und die organisatorischen Aufgaben.

Es war einmalig, unvergeßlich und schön! Man hätte sich das ansehen müssen, wie die Leute aufeinander zugingen und sich begrüßten.
Am 27. 8. fanden sich 140 Personen im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde in Eibach ein, und am 28. 10. konnte man schon 320 Zuckmantler aus den USA, Kanada, Österreich und der Bundesrepublik zählen. Unter den Ehrengästen befanden sich Pfarrer Müller mit Ehegattin, WolfsburgFallersleben, Prodekan Dobbert und Pfarrer Glenk mit Ehegattin aus Eibach u. a.

Am 29. August 1982 wurde ein Dankgottesdienst nach alter Tradition in der JohannisKirche abgehalten. Pfarrer Müller stellte seine Predigt unter das Thema: Wie steht es mit unserer Glaubwürdigkeit?

Er wies darauf hin, daß wir das uns geschenkte Vertrauen und die Hoffnungen und Erwartungen unserer Landsleute in Siebenbürgen und der Bevölkerung und Regierung in der Bundesrepublik nicht durch leichtsinniges Denken und Handeln in Frage stellen dürfen. Es geht um unsere gemeinsame Zukunft, wo keiner sich der Verantwortung für den andern entziehen kann. An der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligte sich auch der Chor der Zuckmantler, 36 Personen unter der Leitung des Organisten Buchholzer und andere Gottesdiensthelfer. Die Einnahmen der Kirchenkollekte betrugen 1547 DM.

Erwähnenswert Ist, daß Generationen bei diesem Treffen vertreten waren. Die älteste Teilnehmerin, Sara Schuller, 92 Jahre, die jüngste, Nicole Müller, 6 Monate alt. Anklang fanden bei den zahlreichen Teilnehmern außer den Vergnügungsangeboten die „Sächsische Ecke", die schönen Festreden, die Darbietungen des Zuckmantler Chores, die Bilder von Zuckmantel, die Wandbehänge und der Diavortfag „Zuckmantel früher und heute."

Es war ein gelungenes Fest, das Freude, Dankbarkeit und Hoffnungen für die Zukunft geweckt hat. Wir hoffen, daß die Organisatoren dieses Treffens ein zweites mit doppeltem Mut und Schwung vorbereiten. Für ihre Leistungen sei ihnen Dank im Namen aller Zuckmantler ausgesprochen.





Klassenjahrgang 1930/31

Klassenjahrgang 1930/31 feierte in Nürnberg ein frohes Wiedersehen


Die Kameradinnen vom „Oberen Ende" kurz vor dem Flüchten

Die Kameradinnen vom „Oberen Ende" kurz vor dem Flüchten





WeinleseIn satter Fülle nickt das Jahr mit schläfrig trüben Augen,
als liebstes Kind an seiner Brust sah man die Rebe saugen. Schon hat die reife Frucht der Herbst geschüttelt
von den Bäumen, nun macht er von der Trauben Wucht
die Kelter überschäumen. Wie läßt der Überfluß so reich
die vollen Quellen fließen, allüberall gibts frohen Gruß
und sättigend Genießen. Hier seh ich über meinem
Haupt die Rebenzweige schwankten, es wiegt sich in
der Brust mein Herz in lieblichen Gedanken. O wie die
Finger alle mir vom Traubenhonig kleben, den schönsten
Mund auf Gottes Welt, den küßt ich auch, soeben.
Jede Nachbarschaft hatte während der Weinlese ein Weinfaß auf der „Zell" an den Wegen, die aus den Weingärten ins Dorf führten, bereitgestellt. Jeder Nachbar mußte fünf Liter Most in das Faß seiner Nachbarschaft einfüllen. Das wurde an Hand einer Namensliste vom Nachbarvater überwacht. Das volle Faß wurde dann im Keller des Altnachbarvaters gelagert, der junge Wein von ihm behandelt und im Fasching am Richttag an die anwesenden Nachbarn ausgeschenkt. Die Frauen bekamen ihren Teil am Aschermittwoch. Der Fasching wurde zwei Tage lang gefeiert und zwar am Faschingdienstag und am Aschermittwoch. Am Faschingdienstag um 9 Uhr in der Früh gingen die Männer aller vier Nachbarschaften im Kirchenpelz in die Kirche, wo die beiden Kirchenväter Alt- und Jungkirchenvater, Bericht über das abgelaufene Kirchenjahr legten. Nach dem Mittagessen versammelten sich die Männer in der Wohnung ihres Altnachbarvaters. Der Richttag begann mit einer Gedenkminute an die in dem Jahr Verstorbenen, der Bericht über die Nachbarschaftsarbeit wurde gehalten, Strafen eingehoben von denen, die ihrer Nachbarschaftspflichten nicht nachgekommen waren, der Altnachbarvater wurde bestimmt. Jeder Mann der nicht verwitwet war, konnte Altnachbarvater werden. Es ging dem Alter und der Reihe nach und der Nachbarvater mußte das Ehrenamt zwei Jahre lang ausüben. Er bestimmte seinen Stellvertreter, den Jungnachbarvater. Dieser erste Teil des Richttages war ein feierlicher Akt und es wurde in dieser Zeit, alter Sitte folgend, weder geraucht noch getrunken und unerlaubt nicht gesprochen. Anschließend wurde die Weinkommission bestellt. Es waren meistens zwei oder drei Männer; ihre Aufgabe war es, den Nachbarschaftswein mit einem geeichten Holzeimer aus dem Keller zu holen und zwecks Übersicht machten sie bei jedem Eimer den sie aus dem Nachbarschaftsfaß entnahmen einen Kreidestrich ans Faß. Die zwei jüngsten Männer unter den Nachbarn mußten den Wein in die Gläser einschenken. Die Frauen hielten ihren Richttag am Aschermittwoch gesondert im Hause des Jungnachbarvaters. Einer der wichtigsten Punkte in ihrem Programm war das Einheben des Gustav-Adolf-Beitrages. Im letzten Jahr waren es 5 Lei. (1944). Auch zu Ostern waren die Männer mit Feiern bei der Sache: Am dritten Ostertag, wenn schönes Wetter war, gingen alle vier Nachbarschaften mit Tischen und Bänken und mit dem vom Fasching übriggebliebenen Nachbarschaftswein

Ich will mit dem schönsten Weihnachtsbrauch beginnen. In der Adventzeit wurden vom Herrn Lehrer (Rektor) die vier besten Schüler und die zwei besten Schülerinnen aus der letzten Klasse für die Leuchterparteien (Parten) bestimmt. Die Schulkinder wurden durch Wahl der Partenführer in sechs Gruppen, davon die Burschen in vier, die Mädchen in zwei, geteilt. Zweimal in der Woche wurde unter der Leitung der Lehrer die zwei bekannten Kirchenlieder „Lobt Gott ihr Christen, freuet euch" Nr. 18 und „Wie soll ich dich empfangen" Nr. 4 im Gesangbuch, im Wechselgesang geübt. Jede Part legte großen Ehrgeiz darein, laut und gut zu singen. Ungefähr zwei Wochen vor Weihnachten gingen die Lehrer mit den ganzen Schulkindern in den Wald, meistens „Un der Hoch", um Immergrün (Bearenweund) für die Christleuchter zu klauben. Obwohl es meistens sehr kalt war und hoher Schnee das Wintergrün deckte, war das für die Kinder ein schöner Ausflug in den winterlichen Wald. An dem großen Feuer, das wegen der Kälte gleich angezündet wurde, wurden nicht nur die beim Wintergrünklauben steifgewordenen Finger aufgewärmt, auch die mitgebrachte Bratwurst wurde zu Mittag mit großem Appetit hier gegessen. Mit der Wintergrün wurde dann am letzten Adventsonntag von der weiblichen Verwandtschaft des Partenführers und den Kinden, die er sich „gewählt" hatte, der Leuchter „gebunden" und mit Fähnchen und Papierrosen geschmückt. Jedes Kind brachte zwei Kerzen, die aber erst in der Kirche auf den Leuchter gesteckt wurden. Die Leuchter wurden in die Kirche getragen. Die vier Bubenleuchter standen oben auf der Empore, die zwei Mädchenleuchter unten links im ersten und zweiten Seitengang. Am ersten Christtag in der Frühkirche sammelten sich die Kinder bei „ihrem" Leuchter, zündeten die Kerzen an und sangen im Verein mit der Orgel die eingeübten Kirchenlieder. Den Refrain sang die ganze Gemeinde mit. Schulbuben beim Weinreben veredeln: Im Frühjahr, wenn die Sonne schon warm schien, besuchten einige interessierte Schulbuben zweimal in der Woche an den schulfreien Nachmittagen Mittwoch und Samstag der Winzerkurs. Andreas Müller am oberen Dorfende Nr. 130, ein tüchtiger Weinbauer, lehrte uns das Veredeln (posten), die Rebensorten zu unterscheiden und die jungen Weinstöcke (Stökelcher) in den passenden Boden zu setzen. Dabei sangen wir das Lied: „Zuckmantel in dem Traubenland, von nah und ferne wohlbekannt, das ist meine schöne Heimat, wo meine Wiege stand!" Die veredelten, jungen Weinstöcke wurden auch verkauft. Die Bauern aus den Nachbargemeinden Manjersch, Nadersch und Felldorf kamen und kauften. Die meisten Stökelcher aber wurden von den Ungarn gekauft; auch unseren Wein kauften sie gerne, nicht nur wegen seiner guten Qualität. Auch weil Zuckmantel leicht auf der Hauptstraße zu erreichen war, spielte eine große Rolle. Die Weinberge waren: Nr. 1 der Bordl, die beste Lage, aber am weitesten entfernt vom Dorf. Dann Honeftl, Sölstl, Dahlchen (hier war auch der Kirchen- und Pfarrweingarten, die von allen vier Nachbarschaften bearbeitet wurden). Weitere gute Lagen waren der Huhrin, Hirschl, Böckhülzchen! Der offizielle Beginn der Weinlese war der 16. Oktober (Galus). Wie schön die Weinlese war, möchte ich mit dem Gedicht „Weinlese" von Michael Albert, wiedergeben:


auf die Wiese „Af dö Au". Der gekaufte Hahn wurde an einen Pfahl gebunden und die Männer versuchten nun aus einer Entfernung von 100 Schritten mit verbundenen Augen mit einer langen Rute den Hahn zu treffen. Die Frau, deren Mann den Hahn geschlagen hatte, mußte für die Männer ein Essen machen. 1. Mai: Im Morgengraun des 1. Mai ging die ganze Jugend mit den Adjuvanten auf den „Keapen" und kündeten mit dem Lied „Der Mai ist gekommen" dem noch schlafenden Dorf den Wonnemonat Mai an. Zu Pfingsten wurde den Mädchen der Maibaum gesetzt: Jedes Mädchen bekam einen oder mehrere Maibäume, es waren junge Linden und grüne Eichen, die von den Burschen in der Nacht zum Pfinstsonntag vor das Haus gesetzt wurden. Dafür bekam der Bursche einen Blumenstrauß aus Winterlefkojen, gutriechenden Blättern (Kreusblatcher) und Lawendel (Spik). Auch das Kircheninnere, Mittelgang und Empore, wurden mit grünen Zweigen geschmückt, so daß man beim Pfingstgottesdienst das Gefühl hatte, draußen in der erwachten Natur zu sein. Am dritten Pfingsttag ging die ganze Gemeinde schon am Vormittag in den Wald zum Tanzplatz, wo sie sich den ganzen Tag bei Musik und Tanz vergnügte. Am Peter- und Paulstag, der immer 29. Juni gefeiert wurde, hat die Schwesternschaft die Tanzunterhaltung gestaltet. Am Tag vorher holte sie von den Feldern schöne Naturblumen, mit denen sie die Peter- und Paulskrone banden. Zwei Wagenräder wurden mit den Blumen umwunden, oben an einem entrindeten Baum (Wiesenbum) befestigt, Girlanden dazwischen, oben ein riesiger Strauß gesetzt und mit kleinen Geschenken wie Zigaretten, Bier, Wurst behängt. Diese „Krone" wurde von den Burschen mitten auf dem Tanzplatz aufgestellt. Der Tanzplatz war ein mit Linden und Fliedersträuchen eingesäumter Platz, der vom Saal bis zum Pfarrhof reichte. Die Mädel bestellten und bezahlten die Musik. In den Tanzpausen versuchten die Burschen den glatten Stamm der Peter- und Paulskrone hinaufzuklettern. Es gelang nur wenigen; dem ersten, dem es gelang, gehörten die ganzen Geschenke. Dafür mußte der Bursche von oben eine Ansprache halten. Dies geschah oft mit witzigen Worten, sodaß die Leute unten laut auflachen mußten. Da die Tanzunterhaltung im Freien stattfand, war die Musik immer eine Blaskapelle. Entweder waren es die einheimischen Adjuvanten, oder die aus dem Nachbardorf. Bis Mitternacht wurde getanzt. Die neugierigen Frauen fehlten nie bei so einem Fest; sie saßen oder standen rund um die Tanzfläche und hielten die Stellung. Hätte sie nicht ein Bursche durch seinen ausgezogenen Stiefelschaft mit den Worten „De Fraen sölln.himenjean" zum Nachhausegehen aufgefordert, wären sie heute noch dort. Für die Männer war dieses Fest weniger interessant, sie waren beim Kegeln im Gemeindewirtshaus. Der Landwirtschaftsverein, der in Zuckmantel sehr gut organisiert war, hielt in manchen Jahren in den Wintermonaten Wagnerkurse ab. In geeigneten Räumen wurden mehrere Wagnerwerkstätten eingerichtet, und hauptsächlich Wägen, Webstühle, Hobelbänke und Eggen hergestellt, Der Wagnermeister, es gab drei solche in Zuckmantel: Michael Kramer 62, Michael Müller 149, Michael Kramer 201, wurde vom Landwirtschaftsverein bezahlt. Er ging von Werkstätte zu Werkstätte und unterrichtete die Kursteilnehmer. Baumeister Andreas Schuiler: Nicht u/ierwähnt soll der Baumeister Andreas Schuller 205 bleiben. Er hat mit seinen Mitarbeitern, die meistens Zuckmantler waren, in der gan- zen Umgebung Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude und Mühlen gebaut. Sein größtes Werk aber ist der Zuckmantler Saal, der gleich neben dem ev. Pfarrhaus steht. Der Saal wurde in den Jahren 1935-1938 nach den Plänen des Schäßburger Architekten Lingner gebaut. Die Tischlerarbeiten stammen von dem schäßburger Tischlermeister Habermann, alle übrigen Arbeiten wurden von den Zuckmantlern in freiwilligen Arbeitsstunden geleistet. Schotter und Sand mußte aus der Kleinen Kokel geführt werden. Um den Bau des Saales finanzieren zu können, haben die Zuckmantler schon Jahre vorher einen Weinfond gebildet. Jeder mußte nach Besitz im Herbst bei der Weinlese seinen Anteil in Most leisten. Der gesammelte Most wurde im Kirchenkeller unter fachmännischer Betreuung gelagert. Es wurde eine Weinkommission bestimmt, die den Wein sorgfälltig behandelte und letztendlich preisgünstig verkaufte. Dies war nicht schwer, denn der aus den verschiedensten Weingärten stammende und aus so vielerlei Traubensorten bestehende Wein ist immer ein guter Wein und es ist leicht ihn gut zu verkaufen. Die Saalbeleuchtung und die beiden großen Heizöfen hat der Frauenverein unter seiner Leiterin Maria Kramer 15 gekauft. Der Saal wurde nur von den Sachsen und allein mit ihren Mitteln und nur für sie gebaut. Dies beweist die Urkunde, die im rechten vorderen Saaleck in der Höhe von ca. 1 Vi m vom Boden eingemauert ist. Die Urkunde hat Herr Pfarrer Otto Leonhardt verfaßt. Im Saal war der Kindergarten untergebracht und alle kulturellen Veranstaltungen wurden dort abgehalten.



Rekruten im Osterurlaub 1929
Konsumverein: In Zuckmantel gab es noch einen Konsumverein, der bis zum Flüchten bestand. In den umliegenden Gemeinden war er schon längst aufgelöst. Der Raiffeisenverein war am Anfang des zweiten Weltkrieges Helfer in der Not. Im Jahre 1940 war durch das schlechte Wetter eine große Mißernte. Die Leute hatten weder Korn noch Mais, die Weinernte viel aus und auch für das Vieh war kaum Futter vorhanden. Pfarrer Hoffmann und Kirchenkurator Johann Müller 129 nahmen 100.000.- Lei aus der Raiffeisenkasse und schickten damit zwei beherzte Männer, Georg Schuller und Peter Kramer nach Craiova/ Altrumänien, um einen Waggon Mais zu kaufen. Der gekaufte Mais wurde per Bahn bis Schäßburg geliefert, von hier mußten ihn die Zuckmantler mit ihren Wägen holen. Der Bauernverein: Im Jahre 1935 wurde von jungen Männern der Bauernverein-Selbsthilfe, gegründet. Am Anfang wurde er von vielen belächelt und sogar verspottet. Trotzdem gelang es ihm moderne landwirtschaftliche Geräte wie Sämaschine, Hackpflüge und eine Wetterstation zu kaufen. Diese wurde anfangs am Daltchenräppchen, später beim Michael Kramer (Micki aufm Rech) aufgestellt. Sie zeigte die Luftfeuchtigkeit an und der Micki aufm Rech verständigte die Leute mit dem Nachbarzeichen (Neaberbratchen), wenn im Weingarten gespritzt werden mußte. Auch hier haben sich die Rumänen wieder nach den Sachsen gerichtet. Wenn die Sachsen in den Weingarten spritzen gefahren sind, haben sie gewußt, daß sie auch spritzen müssen. Bei Neubauten wie Haus oder Wirtschaftsgebäuden, mußten alle Bauernvereinsmitglieder gratis mithelfen. Brunnen auf dem Feld: Die Leute, die den ganzen Sommer tagsüber auf ihren Feldern tätig waren, brauchten natürlich Trinkwasser. Überall auf Zuckmantler Hattert waren Quellen mit gutem frischen Wasser zu finden. Aus den Quellen Brünnlein zu machen war Aufgabe der Bruderschaft. Die Quellen wurden gefaßt, manchmal waren es nur lange Wasserrinnen, an denen die Wasserkrüge leicht gefüllt werden konnten, meistens aber waren es in die Erde hineingemauerte kleine Brunnen, aus denen man das kühle Wasser schöpfte. Diese gemauerten Brunnen waren immer mit einer Türe versehen. Ein aufgestellter „Tschuha" (hoher trokkener Baum mit mehreren Heubuschen daran gebunden) war weithin sichbar das Zeichen für Trinkwasser. Für jeden Brunnen auf dem Felde waren drei oder vier Burschen verantwortlich. Die Brunnen wurden im Frühjahr vom Altknecht und seinem Stellvertreter dem Jungaltknecht kontrolliert, war einer nicht in Ordnung, bekamen die dafür Verantwortlichen sogar eine Strafe am Zugang. Auch bei dieser Arbeit waren die Rumänen nicht beteiligt, Wasser durften sie sich holen. Das Kufes: Mitten im Dorf stand früher fest an der Straße ein kleines Häuschen (Kufes), wo der Fleischer jeden Samstag und Sonntag in der Früh frisches Fleisch verkaufte. Im Nebenraum waren die Feuerwehrgeräte untergebracht: eine große und eine kleine Spritze, die im Sommer von Zeit zu Zeit am Sonntag in der Früh ausprobiert wurde. Eine freiwillige Feuerwehr gab es nicht, es war für die Männer Pflicht, zur Übung zu erscheinen. Allgemeine Mobilmachung: Im September 1938 war die allgemeine Mobilmachung. Ein Großteil der Zuckmantler Männer mußte zum rumänischen Heer einrücken. Die Lage wurde immer ernster. Im Jahre 1940 wurde Zuckmantel durch den Wiener Schiedsspruch eine Grenzgemeinde. Viele Felder auf der anderen Seite konnten nur mit Ausweis bestellt werden, in die Kokel konnte man nicht mehr fahren. Mit den Ungarn waren keine Geschäfte mehr zu machen und auch als Tagelöhner waren sie nicht mehr zu haben. 27. Juni 1943: An diesem Tage mußten die 18-35jährigen sächsischen Männer zur deutschen Wehrmacht einrücken. Es waren auch viele Ältere dabei. Die Männer, die nicht zu den Deutschen einrückten, mußten weiter im rumänischen Heer Kriegsdient leisten. Als die Rumänen am 23. August 1944 umschwenkten und sich den Russen ergaben, hatte das normale Leben in Zuckmantel aufgehört. Die alten Männer, die Frauen und Kinder wußten nicht, was nun geschehen soll. Zur Arbeit war keine Lust mehr. Am 5. September 1944 flüchteten die ersten zunächst in die ungarischen Dörfer, drei Tage später wurde das ganze Dorf von den deutschen Soldaten herausgeholt und über Ungarn in Richtung Westen geführt. Die Zuckmantler, die sich vom Treck Richtung Westen abgeseilt hatten und nach Zuckmantel zurückkehrten, wurden im Winter 1945 als Zwangsarbeiter nach Rußland geschafft. Viele von ihnen sind nicht mehr zurückgekehrt.
Peter Kramer, 1130 Wien, Steinhardtg. 5/2


4. Nachbarschaft 1933
In Zuckmantel fanden in der Regel die Hochzeiten immer im
Fasching statt. Vier Wochen vor der Hochzeit begann die
Verlobung mit dem „Verdränken". Der Bursche machte sich
mit seinen Eltern und Geschwistern, einem Wortmann und
einem Brautknecht auf den Weg zu seiner Auserwählten, in
deren Haus schon alles auf diesen Besuch wartete. Nachdem man eingetreten war, begann der Wortmann:„Es haben sich zwei Menschen gefunden und sind entschlossen
eine Familie zu gründen. Sie treten mit dem heutigen Abend
in den Brautstand." Es folgte eine Unterhaltung im engsten
Familienkreis; etwas später kamen die Freundinnen der
Braut dazu und sangen folgendes Lied:
„Et jit än Read durch as Jemin, et äs an fraidich Zet.
Et wies et alles Jrus uch Klin, am schößt, etwütt an Brött.
Wii sül et senn, wii sül et senn ? Mer wessend alles jeut
wea hött am Brött ze hischen äs, dot bäsjewäß narr teu!
De Reaf, däi well uch Holdng hun, wonn et onderschje-
latt nettjit,
am beund se un de Steawel un, dat se uch Wemern drit.
Teu bäst de Reaf, teu bäst de Reaf, der Steawel äs uch
häi.
Beund dech am än, amschleunjj an fest, an werd senj
Brött, senj Frau!
Det Schössen hot noch nichen Oind, neu küttas Palwer
drun.
Mir nean as Büssen än Hoind, dä mir vum Däppner hun.
Schößt dat et kracht, schößt dat et kracht! Ihr Wirtscheft
soljedoain.
Asövelt Jelden sölt ihr hun, wäi wot hä Scherwen loain!"
„Es geht eine Rede durch unsere Gemeinde, es ist eine
freudige Zeit.
Es wissen es alle Groß und Klein, man schießt, es wird
eine Braut.
Wer wird es sein, er wird es sein? Wir wissen es alle gut
wo heut eine Braut zu heischen ist, das bist gewiß nur du!
Die Rebe die will auch Halt haben, wenn es anders gar
nicht geht,
man bindet sie an den Stab an, damit sie auch Wientrauben trägt. Du bist die Rebe, du bist die Rebe, der Stab ist auch hier.
Bind dich um ihn, umschling ihn fest u. werd seine Braut,
seine Frau!
Das Schießen nimmt noch kein Ende, nun kommt unser
Pulver dran.
Wir nehmen unsere Büchsen in die Hände, die wir vom
Töpfer haben.
Schießt, daß es kracht, schießt, daß es kracht! Eure Wirtschaft soll
gedeihn.
soviel Gulden sollt ihr haben, wie hier Scherben liegen!"
Bei der letzten Strophe wurde altes irdenes Geschirr kaputt
geschlagen.
In der anschließenden Woche fuhren Braut und Bräutigam mit den beiden Müttern nach Schäßburg, um die schönen Kunstblumen für den Brautkranz, den Hutstrauß für den Bräutigam, den Brautknecht und den „Jestlader" zu kaufen. Die Rechnung bezahlte der Bräutigam. Aus den Myrten, Vergißmeinicht, Rosenknospen und Apfelblüten fertigten geschickte Frauenhände den Brautkranz, der mit Silbernadeln auf den Borten der Braut gesteckt wurde. Den „Brödemstreuß" bekam der Bräutigam auf den Hut. So geschmückt ging das glückliche Paar am drauffolgenden Sonntag zum ersten Male gemeinsam in die Kirche, um beim „Ausrufen" dabei zu sein. Das sonntägliche Mittagessen nahm das Brautpaar bei Verwandten ein, jeden Sonntag luden andere ein, womöglich solche, die am oberen Dorfende wohnten, damit das Brautpaar einen möglichst langen Weg durch das Dorf zur Kirche zu gehen hatte, um von allen Dorfbewohnern gesehen und bewundert zu werden. Am Nachmittag ging es in die Vesper. Eine Woche vor der Hochzeit gingen beide Elternpaare, die Mütter waren „jepüppest" (die Haare in einen Zopf geflochten und von hinten nach vorn auf den Kopf gelegt, darüber Haube und Tuch) zu allen ihren Verwandten und Bekannten und luden sie auf die Hochzeit ein und baten die Frauen gleichzeitig um ihre Mithilfe. Rede beim Einladen: „Ihr wißt, was wir vorhaben, wir möchten euch gerne dabei haben, seit so gut und helft uns dabei, allein kann man eine Hochzeit nicht bestreiten." Alle sagten gerne zu und am Donnerstag wurde Brot, am Freitag Stritzel, Kleatsch und Hörnchen (feiner Germteig) gebacken. Samstag Früh, noch in der Dunkelheit wurde „angesungen". Die Hochzeitsgäste, die am weitesten vom Hochzeitshaus wohnten, standen sehr früh auf, gingen zu den nächsten Hochzeitsgästen, stellten sich unter ihre Fenster und weckten sie mit dem Lied: „ Wachet auf ihr freudigen Seelen, wachet auf aus eurem Schlaf, weil uns Gott hat lassen erleben, diesen frohen Hochzeitstag!" Die Jüngeren der Geweckten gingen mit weiter ansingen, bis alles auf den Beinen war.und sich in den Hochzeitshäusern einfanden. Die Frauen brachten ein lebendes Huhn, Eier, Rahm und Butter mit. Nun ging es ans „Hanklichbakken", die mit dem vielen Rahm gut geschmiert wurde. Der Teig für die Nudeln wurde gemacht und ausgewalkt, Wurzelwerk geputzt, die Hühner geschlachtet, die gute Suppe gekocht. Mit dem Kleinzeug und den Innerein der Hühner wurde das „Breadenlawed" (saure Gulaschsuppe) gekocht, das am Samstag Abend für alle Helfer serviert wurde. War die letzte „Hanklich" aus dem Backofen, kam das „Hochzetkrött" (Sauerkraut mit geselchtem Fleisch) in irdenen Töpfen in den Backofen, wo es in der Glut bis Sonntag schön langsam kochte. Während die Frauen so mit dem Kochen und Backen beschäftigt waren, schmückte die Jugend das Gassentor. Das Tor wurde mit aus Tannenzweigen oder Wintergrün umwundenen Bögen und Papierrosen „gekrönt", ein Zeichen, daß hier Hochzeit gefeiert wird. Indes ging die Braut mit ihren beiden Brautmägden mit dem „Brödemhemd", ein Hemd, das sie selbst genäht hat, ins Haus des Bräutigams. Hier wurden sie von den Backfrauen

mit der Frage empfangen: „Ja, was wollt denn Ihr bei uns?!" Die Braut antwortet: „ Ich bringe meinem Bräutigam das Brödemhemd, damit er morgen vor dem Altar ein neues Hemd hat." Das Hemd wurde von den Frauen ausgepackt, genau besichtigt und kritisiert (keine ernstgemeinte Kritik). Samstag Nachmittag fand die standesamtliche Trauung auf dem Gemeindeamt statt. Nur die beiden Wortmänner, die auch die Trauzeugen waren, begleiten das Brautpaar. Am Sonntag, also am eigentlichen Hochzeitstag, waren die beiden „Jestlader" schon in der Früh mit ihren bändergeschmückten Rohrstöcken und dem Blumenstrauß auf dem Hut, unterwegs. Sie luden mit feierlichen Worten nocheinmal alle Verwandten und Bekannten des Brautpaares auf die Hochzeit ein. Die Hochzeitsgäste sammelten sich getrennt nach Verwandschaft in beiden Häusern, wo ihnen ein kleiner Imbiß und Wein geboten wurde. Waren ale Verwandten und Bekannten des Bräutigams eingetroffen, begaben sie sich in feierlichem Zuge, voran die Musik, zum Brauthaus. Hier war das Tor zugesperrt, mit vereinten Kräften wurde es gewaltsam aufgestoßen, der Wortmann und der Brautknecht gingen ins Haus, während der Bräutigam mit seinen Leuten im Hof wartete. Sie wurden von jungen Frauen und Mädchen bewirtet, jeder Mann und Bursch bekam zum Zeichen, daß er ein Hochzeitsgast ist, einen Blumenstrauß an den Hut gesteckt. Der Hut des Bräutigams und des Brautknechts bekamen zu dem vorhandenen Strauß noch Rosmarin gesteckt. Während sich dieses draußen im Hof abspielte, trat der Wortmann des Bräutigams im Haus vor die versammelten Gäste der Braut und bat die Brauteltern um die Braut. Der Wortmann der Braut antwortete und übergab dem Brautknecht die Braut. Dieser nahm sie an der Hand und führte sie aus dem Haus. Hinter ihnen formierte sich der Hochzeitszug, dem die Musik voranging. Der Bräutigam wurde von den beiden Brautmädgen geleitet. In der Kirche nahmen alle Gäste ihre Plätze ein, der Bräutigam löste sich von den Brautmägden und ging allein vor den Altar und wartete dort auf seine Braut, die, jetzt von beiden Brautmägden und der „Höasch Frau" (jüngste Frau aus der Verwandtschaft der Braut) geleitet, vor den Traualtar trat. Nach der Trauung verließ die Gemeinde zuerst die Kirche und alle warteten draußen vor der Kirche auf das Brautpaar. Die Musik spielte zum Tanz auf und der Brautknecht tanzte ein oder zwei Reigen mit der Braut. Hier hatten auch die Rumänen Gelegenheit, die Braut zu sehen und zu bewundern. Anschließend begleiteten alle Hochzeitsgäste die Braut zurück ins Elternhaus, trennten sich aber dann nach Verwandtschaft zum Mittagessen. In beiden Häusern bestand das Festmahl aus einmalig guter Hühnersuppe und Braten, auserlesenem Wein und Mehlspeisen. Nach dem Mittagessen wurde die Braut von ihren Gästen beschenkt, das „Jeawen". Die Geschenke waren Geld und Küchengeschirr, sie wurden mit den Worten überreicht: „Ech jeawen öch an klin Jeaw, awer desto jrö'ßer sol de Freundscheft sen" (Ich gebe euch eine kleine Gabe, aber umso größer soll die Freundschaft sein). Während der Braut die Gaben überreicht wurden, war der Bräutigam mit seinem Wortmann und den übrigen Männern und der Musik unterwegs zum Brauthaus. Der Brautknecht fuhr mit dem geschmückten Wagen, davor die feurigsten Rosse gespannt, ein paarmal die Dorfstraße auf und ab, bis ihm das Tor vom Brauthaus aufgemacht wurde. Dies war für die Braut das Zeichen, daß sie sich von ihren Eltern und Geschwistern verabschieden mußte. Schon betraten der Wortmann und der Brautknecht die Stube und verlangten mit feierlichen Worten die Braut. Der Wortmann der Braut antwortete, übergab sie mit guten Wünschen dem Brautknecht und wieder führte er sie an der Hand hinaus, wo sie vom Bräutigam und seinen Männern mit großem Jubel empfangen wurde. Hinter der Braut ging die Höasch Frau und die beiden Brautmägde. Sie alle bestiegen den geschmückten Brautwagen, auch die Pferde waren mit Kränzen geschmnückt, und fuhren singend ein paarmal über die Gasse, dabei warfen sie Kleatsch den Leuten zu, der Brautknecht ließ ein paarmal halten, stieg aus, schenkte Wein aus und verteilte Hörnchen, die er am Weinkrug hängen hatte. Endlich fuhr der Wagen in den Hof des Bräutigams ein, wo er von der Schwiegermutter erwartet wurde. Sie empfing die Braut mit den Worten: „Komm nur komm, ich will dich gerne als Kind in meine Familie aufnehmen." Die Braut bedankte sich und versicherte ihrerseits eine gute Tochter zu sein. Die Schwiegermutter geleitete sie ins Haus, wo sie von den Hochzeitsgästen ähnlich wie zu Hause beschenkt wurde. Um Mitternacht kam das Hochzetkrött auf den Tisch, das besonders gut schmeckte. Es wurden viele Reden und Trinksprüche auf das Brautpaar gehalten. Dann begann der Tanz, der Ehrentanz der Braut, bei dem der Brautkranz, den sie an vier Sonntagen in die Kirche getragen und an ihrem Hochzeitstag seit der Früh auf dem Kopf hatte, heruntergetanzt werden mußte. Der Brautknecht begann den Reigen, gab die Braut an den Bräutigam weiter, dann durften alle Männer mit ihr tanzen. Und sie tanzte und tanzte bis sie den Kranz nicht mehr oben halten konnte. Das war das Ende ihrer ach so schönen Brautzeit. Am nächsten Morgen ging die junge Frau zum erstenmal „gebockelt" (jeschlöajert) mit den Frauen ihrer Verwandtschaft in die Kirche, wo ihr der neue Sitzplatz zugewiesen wurde. Von nun an saß sie als Neuvermählte unter den Frauen.
Maria Kramer Wien 13., Steinhardtgasse 5/2


Pfarrer Otto Leonhard traut am 8.2. 1931 10 Brautpaare
in der Zuckman tier Kirche

Sooft ich die schönen eingeklaubten und getöfelten Tischtücher, die meine Großmutter und Mutter gewebt haben, in
die Hand nehme und damit den Tisch zu Ehren meiner Gäste decke, geht mir das Herz vor Freude über. Mir kommt
meine Kinderzeit in Zuckmantel in den Sinn und die fernen
Tage wieder leuchtend vor mir stehn. Ich seh das Dorf mit
der langen Straße wo Haus an Haus sich reiht, dahinter die
langen gestreckten Obstgärten, die nahen fruchtbaren Felder, die meist Krautgarten oder Hanfland waren. Ich seh im
Geist wie die Felder und Äcker im Frühjahr vom Bauern gepflügt werden: „Er hebt den Sterz und drückt die Schare ein. Die Rosse
schnauben, dunkel quillt der Grund. Und was er denkt,
das ackert er hinein, denn Gott ist nah und sieht auf seinen Mund. Und wenn er flucht, gerät die Furche krumm.
Und wird er träge, springt der Pflug heraus. Nur wenn er
dient der Scholle grad und stumm, streckt sich des Akkers Fruchtleib wartend aus. Drum lobt er Gott mit jedem
Schritte sehr und keucht doch mühsam unter dem Gericht und schreibt ins Erdreich Zeil um Zeile schwer ein
flurenbreites, heiliges Gedicht."
Ja, das Frühjahr kommt mit Arbeit „det Fröijear, det Fröijear
küt met Arbet, Flos uch Hunef meß em seen, wonem well an
decken Zoken en den könftijen Wäinter drehn". Wer im Winter Hanf spinnen will, so heißt es in dem sächsischen Lied,
muß im Frühjahr erst einmal Hanf sän. Der Hanf wird Anfang
April in den gutgedüngten Boden gesät, er ist eine einjährige
Fflanze mit hohem Stengel mit sehr zähen und lange Fasern, fünf bis siebenzählige gefingerte, gesägte Blättchen,
im Samen fettes Öl, Hanföl. Während er in Indien schon vor
3000 Jahren als narkotisches Genußmittel gebaut wurde,
breitete er sich als Faser- und Ölpflanze erst später über Europa aus. Der männliche Hanf, Staubhanf oder Femel, liefert
eine feinere Faser als der größere und später reifende weibliche Hanf (Sämer) der fast nur zur Samengewinnung benutzt wird. Wenn der Femel Ende Juli blüht, wird er mit der
Wurzel herausgerissen (Hunefplecken) und in Hanfgarben
(Hunefreist) gebunden, auf dem Feld in Schrägen zum
Trocknen aufgestellt. Ein Schrägen wird aus drei Garben,
die oben an der Spitze zusammengebunden werden, gebildet. Der Sämer bleibt noch stehen, er unterscheidet sich
vom Femel durch seinen starken grünen Stengel.
Ist der gepfückte Hanf in den Schrägen soweit getrocknet,
daß die ersten Blätter abfallen, wird er vom Felde nach
Hause geführt. Hier wird er immer wieder und so lange in die
Sonne gelegt, bis alle Blätter so trocken sind, daß sie durch
Aufschlagen der Garbenspitze (Hanfklopfen), abfallen.
Der Hanf, den man für den Weingarten zum Gürten und Binden braucht, wird ausgesucht und auf die Seite gelegt. Der
Sämer wird, nachdem man ihn abgeschnitten und den Samen ausgeklopft hat, zum Binden für das Maisstroh
(Schüüf) verwendet. Die gut getrockneten, blätterlosen
Hanfgarben werden nun gebündelt (jebußend). Zehn Garben sind ein Bündel (ein Bußen), wobei die Garben abwechselnd zwei mit der Spitze nach rechts, dann zwei mit der
Spitze nach links gelegt werden. Auch das Bündel wird immer wieder noch in die Sonne zum
Trocknen gelegt, bis es zum Einlegen (Äleajen) kommt. Der
Hanf wird ins Wasser in den Bach (an derr Boch) oder in der
Kokel zum rösten (Ruesten) hineingelegt. Da wird Bündel an
Bündel ins Wasser gelegt und gut zusammengebunden
Holzpfähle (Hanfpfähle) dazwischen geschlagen, damit die
Wasserströmung den Hanf nicht wegreissen kann, mit
Stroh und Erdschollen (Schölpen) die Bündelreihe an beiden Seiten beschwert, sodaß der Hanf ganz im Wasser liegt,
ja bis auf den Grund sinkt. 14 Tage lang muß er im Wasser
liegen und rösten (ruesten), dann wird der Hanf gewaschen
(Hunef weschen). Jede Hanfgarbe wird einzeln gewaschen.
Sie wird aus dem Bündel herausgenommen, von den Bändern befreit, mit beiden Händen zuerst an dem Wurzelende
gepackt, hochgehoben, über dem Kopf gedreht und ins
Wasser geschlagen. Ist die obere Hälfte schön weiß gewaschen, wird die Garbe an der Spitze erwischt und das Wurzelende über dem Kopf gedreht und wieder solange ins
Wasser geschlagen, bis jeder Hanfstengel in der Garbe weiß
ist. Triefend naß wird der gewaschene Hanf auf dem Wagen
nach Hause geführt und hier wieder an Wänden, Blanken
und Zäune in der Sonne zum Trocknen aufgestellt. Ist der
Hanf gut getrocknet, wird er mit der Hanfhacke (Hack) gehackt, zusammengerollt und gut warm zugedeckt. Da am
Tag meistens keine Zeit war den Hanf gleich nach dem Hakken zu schwingen (schlagen), hat das am Abend die Jugend
gemeinsam gemacht. Einmal war man hier, zum anderen
Mal war man dort Hanfschwingen (Hunefschlean) und hat
sich dabei auch noch gut untrhalten. Das Hanfschwingen
geschieht an einem schräggestellten Heubaum (Wisen-




Die nassen Stränge werden zum Trocknen aufgehängt. Wenn sie gut, gut trocken sind, werden sie auf den großen Schrägen gelegt und das Garn wird mit dem Spulrad auf große Spulen aufgespult. Von diesen Spulen wird die Kette geworfen, die Tuchbreite bestimmt. Die Tuchbreite richtet sich nach dem Verwendungszweck: Säcke und Strohsäcke 1/9, feiner Hanf für Tisch-, Hand- und Leintücher 1/10, Baumwolle 1/13. In den letzten Jahren vor dem Flüchten gab es neue Webstühle, auf denen konnte man schon breiter weben. Mit dem Werfrahmen, ein 4- oder 6-teiliger senkrecht stehender Holzhaspel, werden die zu einer Kette notwendigen Fäden parallel neben einander gelegt und der Kette die gewünschte Länge gegeben: die Fäden der vollen Spulen werden von der Scherleiter aus durch die Löcher des Scherbrettchens gezogen und in gleicher Länge und Spannung zur Kette geworfen, die dann auf den Webstuhl auf den Kettbaum aufgewickelt wird. Das ist das Aufbäumen (Ambühmen), Aufwinden der gescherten Kettfäden auf den Kettbaum. Vom Kettbaum abgehend, werden die Kettfäden durch zwei Leisten (Schinnen) hindurchgeführt, um sie regelmäßig nebeneinander zu legen und vor Verwirrung zu sichern. Nun werden die Kettfäden zu den Schäften durch die bum). Die gehackte Hanfgarbe wird solange an den Heubaum geschlagen, bis alle groben Holzteile (Eanen) davonfliegen und die Hanffaser mit nunmehr kleinen gesplitterten Holzteilchen übrigbleiben, die mit der Breche (Brech) entfernt werden. Die Breche ist im Prinzip das Gleiche wie die Hacke, nur viel enger, sodaß auch die kleinen Holzteilchen gebrochen werden und durch Schütteln, wiederholtes Brechen und wieder schütteln von den Fasern entfernt werden. Die holzfreien Hanffasern werden nun gehechelt, und zwar zuerst die Garbenspitze (Restspitze). Durch die grobe Hechel gezogen, erhalten wir das Kratzwerg, bei der zweiten, feineren Hechel das Duldenwerg. Das Wurzelende gehechelt gibt das Stoarzenzwerg. Dieses Werg hat die Mutter immer selber gesponnen, das mußte gut gesponnen werden, das mußte stark sein; denn diese Fäden werden beim Weben aufgezogen, als Kette verwendet. Die dritte Hechel, ganz fein, nimmt das Feinwerg ab, übrig bleibt der feine Hanf: langfasrig, seidig glänzend, fein. Wenn Ende November die Arbeit auf dem Feld und in den Weingärten getan ist, beginnen die Frauen und Mägde mit dem Spinnen. Das Werg wird mit den Fingern gezupft (jepeakt), zum Zööpchen geformt und an den Spinnrocken gebunden. Der „Feine Hanf" (derr Hunef) wird rund um den Racken gewickelt. Nun beginnt eine schöne Zeit; man geht „an de Jas". Jeden Abend lädt eine andere Freundin ein - sie ruft an de Jas dabei wird genau die Reihe eingehalten. Mit Rocken und Spindel geht man ins gastliche Haus, trifft dort mit Freundinnen zusammen, spinnt fleißig eine oder auch zwei Spindeln voll, singt gemeinsam schöne Lieder und ist vergnügt: „Dreh dich, dreh dich Rädchen, spinne mir ein Fädchen viele, viele Ellen lang..." oder: „Si schurr nor menj Spällchen, der Wäinter äs häi, hi broint as der Fraiden an Hufen arbäi. Mir sanjen und spranjen asu voller Last, de Jungend äs fradich, det Leder an Loost. Und wäintert und störmt et uch garstich derteus, as dröckt nichen Kommer, mit mochen es näst dreus; und störmt et am Harzen uch munchener Med, se feund weder Frieden, woa är Schatz se net verlet." Ist alles Weg und der feine Hanf zu Garn versponnen, kommt der Haspel (Hospl) in die Stube. Das Garn wird von den vielen vollen Spindeln zu Strängen abgehapselt und in einem Bottich (Böttchen) mit scharfer Aschenlauge gebleicht und anschließend im Bach im eiskalten Wasser gespühlt (Huneflöchen). Der Bach ist um die Jahreszeit noch fest zugefroren, man schlägt Löcher ins Eis und ruft sich gegenseitig zu: „Habt ihr die Krähen gejagt?!"


Litzen geführt. Ein Schaft besteht aus zwei Holzstäben, zwischen denen Litzen gespannt sind. Die Litzen haben in der Mitte einen kleinen Ring, durch den die Kettfäden hindurchgezogen werden. Die Schäfte hängen an den Rollen und sind mit den Tritten (Schemeln) verbunden. Wird nun der Schaft durch den Tritt gehoben oder gesenkt, so werden alle durch seine Litzenringe gezogenen Kettfäden gehoben, bzw. gesenkt und so das Fach gebildet. Durch dieses Fach wird nun von der Weberin das Schiffchen (Schätz), ein beiderseits zugespitzter Behälter aus Holz, der innen eine mit Garn bewickelte, drehbare Spule trägt, abwechselnd von rechts nach links und von links nach rechts geschossen, wobei sich das aus dem Schiffchen austretende Garn abwickelt. Der eingetragende Schuß muß fest an den vorderen Faden im Webfach angeschlagen werden, wozu das Rietblatt oder Weberkamm (Rühr) in der Weblade dient: das Rietblatt ist ein Rahmen mit vielen glatten Metallstiften (Zähnen), zwischen denen die Kettenfäden einzeln, von den Litzen kommend, hindurchgehen. Mit der Schlicht, eine aus Kleie, Lainsamen und Bienenwaben (Reas) gekochte dickliche Masse, wird die Kette feucht gehalten. Mit zwei breiten Handbürsten, eine oben, die andere unten, werden die Kettenfäden mit Schlicht feucht gehalten und nach hinten geschlichtet, die zwei Leisten (Schienen) aufgestellt und zurückgezogen. Ist die Kette abgewebt (Merr hun ojewirkt) ist auch schon das Frühjahr da. Der Bauer fährt wieder ackern, denn „Flos uch Hunef messem seen..." und so schließt sich der Kreis. Die Frauen und Mägde aber arbeiten jede frei Stunde, die ihnen die Frühjahrsarbeit läßt an „ihrem Leinen". Sie legen es zum Bleichen in den Garten auf das frische Grün in die Frühjahrssonne, dann verarbeiten sie es je nach Stärke zu Strohsäcken, Säcken, Leintüchern, Hand- und Tischtüchern, für die sie kunstvolle Spitzen und Einsätze häckeln. Manches grobe Leinen wird bestickt: Mit Händen braun und rauh wie Wurzelstrunk führt sie die Nadel und den Faden. Uraltes Muster lebt aus der Erinnerung und unter ihren alten Händen wird es jung. Hirsche wandeln steif auf hohen Beinen, Geweih verästelt sich in kleinen Treppen, schwarz oder rot steht es auf mattem Leinen, und fingergroße Frauen ziehen ihre Schleppen. Von Nelken, Enzian und Winden, von Truthahn, Pfau und anderem Getier kannst Bild und Spur du finden; auf hohem Roß erhebt ein Reiter sein Panier. So lebt vom Alltag bis zum seltenen Ereignis in dieser Arbeit rauher Frauenhände des Stammes wirken als ein Gleichnis. Und mit der einzelnen gehts nicht zu Ende, denn, wenn die alte Frauenhand erstarrt so nimmt die Junge auf den Faden, und längst Verklungenes wird wieder Gegenwart im Aneinanderreihen vieler Nahten. Und wieder schreiten Hirsch und Pfau und wieder ranken Blumen auf dem Leinen und wieder klingt im stillen Tun der Frau des Stammes Lebenauf, in stummen Reimen.
Heinrich Zillich, R. Litschl, Trude Geissler-Nußbächer,
Helmine Krauss,
in Zusammenarbeit mit meiner Mutter Maria Kramer





Begebenheiten, Anekdoten und Redewendungen
(Helmine Krauss, geb. Kramer, Krestel Mini, Nr. 75)

Markttag in Schäßburg Auch Zuckmantler stehen mit Weintrauben in Schäßburg
auf dem Markt. Sie haben ihre schönsten „Gudedel" und
„Moskateller" abgeschnitten und sorgfältig in Kisten und
Körben verpackt nach Schäßburg auf den Markt gebracht.
Sie wissen, daß man nur gute und schöne Ware schnell und
gut verkaufen kann. Die Schäßburger kommen, schauen und kosten. Sie kosten
so lange, bis sie gut satt sind, dann sagen sie geringschätzig: „Ach, de sen ja sauer" und verziehen den Mund. Über
diese Unverschämtheit ärgert sich der Lorenz Hanzi so sehr,
daß er laut ruft: „Sauer oder net sauer, des Wejmern mössen
de Scheesbricher alles freesen!"
Geographistunde
Auf einer Fosnich in der 2. Nachbarschaft fragt der alte Thumesbatja: „He, wie wies wea der Olt antspeunt?"
Antwort: „Anj un der Konzeloei."
„Und wea anspreunt de Theiß?"
Antwort: „Heunder den Schandaren!"
Akewetzcheressen Die Stipa Mitzi, heute Mutter, Groß- und Urgroßmutter, damals ein beliebtes Mädchen, hatte an einem Sonntagnachmittag ihre Kameradinnen zum Akewetzcheressen eingeladen. Die Mädchen kommen, bestaunen den alten, dicken,
hohen Baum, der über und über voll mit reifen Akewetzcher
ist. Mein Onkel Martin, ihr jüngster Bruder, damals noch ein
kleiner Junge, muß auf den Baum klettern und Akewetzcher
schütteln. Der Martin kriecht bis in die Spitze, schüttelt, die
Birnen fallen, die Mädchen klauben auf. Auf einmal wird es
still, der Martin schüttelt nicht mehr, er rutscht aus der
Baumspitze herunter, tiefer und immer tiefer. Als das die
Mädchen bemerken, schreien sie ihm zu:„Bleib oben,
schüttel noch, bleib oben!" Der Martin schreit hinunter:„Ech
möß owen!" „Sech dote oawen blewst!" schreien sie hinauf.
Der Martin folgt, er bleibt oben, zieht sich die Hose herunter
und setzt sich auf einen Ast. Und da rauscht es auch schon
durch die Zweige. Die schnelle Klin Zuri ist als erste unter
dem Baum, in der Meinung, es seien wieder Akewetzcher,
was da fällt. Da trifft sie das Unglück grad auf das Schünhemd (Trachtenhemd). Als sie die Bescherung sieht, läuft
sie zu meiner Mutter und schreit: „Säch, wota jemocht hot!
Wonn dot menj Bräuder wer, ech wörd em jean!" „Jong an
jewem" („Sieh, was er gemacht hat! Wenn das mein Bruder
wäre, ich würd ihm geben! Geh und gib ihm") war der Rat
meiner Mutter, aber der Martin war auf dem hohen Baum in
Sicherheit, er blieb auch oben und kam erst herunter als alle
weg waren.
Thumes Martin am Pfingsttag Martin Kramer, Thumes Martin, wollte sich das Heruntergehen vom Keapen an einem Pfingsttag nach dem Tanz erspa-



ren. Seine Kameraden schleppen ihn vom steilen Keapen
herunter und legen ihn vorsichtig vor die Tür im Hof. Seine
Mutter kommt herausgelaufen und als sie sieht, daß sich ihr
Martin nicht rührt, fängt sie zu weinen an und ruft die Nachbarinnen. Auch die Nachbarinnen glauben, daß Martin tot
ist. Sie fangen an zu jammern und beraten, was nun zu tun
sei. „De Lot mößem dich bestaun", sagt eine, „Uch auszejen
mos em en" sagt die andere. Da gibt Martin das Totspielen
auf, springt auf und schreit: „IrZaddern, wot wallt ir? De Lot
wallt ir mer bestaun uch mech auszejen?! Na, dot äs höasch
vun och!"
Det Wentchen koaren Mein Vater, Krestel Peter, erzählt: Meine Kameraden und
ich, wir waren noch Schuljungen, wollten „das Wentchen
koaren". Wir besprachen, was ein jeder bringen soll und
wieviel Lei jeder geben muß, damit eine Ente gekauft werden kann und bei wem sie gebraten werden soll, Wir fragen
und bitten Stefan Müller's, Kadar Stefan's Mutter, sie sagt:
„Ja". Am Sonntag Mittag sitzen wir Kameraden alle bei ihnen am großen Tisch, in Hemdärmel, die Gabel schon in der
Hand und warten auf die Ente, die noch im Rohr bruzzelt.
Wir sind alle sehr hungrig. Auf einmal geht die Tür auf und
die Schmidan kommt herein, geht direkt zum Ofen, macht
das Bratrohr auf, nimmt die gebratene Ente heraus und geht
davon. Wir schauen ihr entsetzt nach und erst, als ihr einige
von uns nachlaufen wollen, gestehen die zwei Kameraden,
die die Ente kaufen sollten, daß sie die Ente nicht gekauft,
sondern der Schmida gestohlen haben. Den Kopf hatten sie
auf die Gasse unter die Brücke geschmissen, das war für die
Schmidan der Wegweiser zu ihrer Ente.
Ech bronjenen am... Zwei Zuckmantler haben sich einmal geschlagen. Endlich
liegt der eine am Boden und kann seinen Gegner nicht mehr
abwehren, da schreit er: „Kut schnei ihr Lot, neaden awech,
sös, won ech afstean, ech bronjenen am!"
Tütterchen
In der ersten Klasse der Volksschule sprach die Frau Lehrerin manchmal auch sächsisch mit den Kindern. „Martin, amwot waatzt teu asöfelter met denjem Tütterchen?"
Martin: „Chä, dot äs dich der Orsch!"
Im Unterricht...
Die Frau Lehrerin erklärt den Kindern die Wiewörter, Eigenschaftswörter: der Ofen ist schwarz, die Bank ist hart,
der Baum ist grün...
„Wie ist das Fenster?" Antwort: „Mückenbeschissen."

„Ihr äs mi wäi Boflisch" (Ehre ist mehr wie Speck)
Der Funtsch beim „Kufes". Mein Vater erzählt: Der Funtsch beim „Kufes" war auch bei
den Adjuvanten, die gelegentlich oben bei der Orgel sangen, dirigiert von Rektor Schönauer. Wenn der Funtsch nun
Durst hatte, und den hatte er oft, ging er zu Rektor Schönauer und machte ihm klar, er müsse ihm die Haare stutzen,
denn der Herr Räkter müsse ordentlich aussehen. Als Lohn
für das Stutzen bekam dann Funtsch auch ein Kännchen
Wein, oder auch zwei. Einmal nachdem er Herrn Schönauer
die Haare geschnitten hatte, fragte Herr Räkter: „Wällt te ist
dränken?" worauf Funtsch erwiderte: „Euch hun äing jedocht, an Harr Räkter wer an jeschejt Mensch, näu möß ech
awer frejen, wäi der Harr Räkter nar asu tumm frejen kon".
Neujahrswünsche
Zu Neujahr überbrachten der Altknecht und die Altmaid dem
Pfarrer jeweils die Neujahrswünsche der Bruder- und
Schwesterschaft.
Ein Altknecht wollte einmal ganz gescheit wünschen und
sagte:„Mir wöntschen dem woalierwirjen Harr Voter ajlöck-
lich nai Jeahr und der tujendsemen jnedijen Fra Motter det
Jejentil".
„He Neaber, hoste ist Pale?"
„Chä, awer ech hun nichen Stampel!"
„Dot mocht ja nest, menj Mol hait jelat a Stampel."
„Kut an est uch drenkt, mir hun wähär."
„Steadäräm Dürchen, Neabär?"
„Chä, märstean!"
„Antschaldicht, dot ech zeu öch kunn."
„Etäsnästjefelt."
Et fallt mer einzet näst mi en —
villicht awer öch!
Die mutigste Frau von Zuckmantel... Frau Katharina Lorenz, Stuck Kathi, war eine Zeitlang Glöcknerin. Sie wohnte mit ihrer Familie in der Stuft gleich neben
der Kirche. Als sie eines Abends aus der Gass (Spinnstube)
nach Hause kommt, es ist schon sehr dunkel, sieht sie auf
einem Grab eine Flamme brennen. Zuerst erschrickt sie so,
daß sie zittert, dann aber sagt sie sich: ich muß hingehen
und sehen was das ist, sonst habe ich ja jeden Abend beim
Nachhausekommen Angst. Sie faßt sich ein Herz und geht
mutig durch den dunklen Friedhof auf die Flamme zu. Beim
Näherkommen sieht sie schon, daß dort auf dem Grab kein
Feuer brennt, sondern ein morsches Holz liegt, das in der
Dunkelheit (Phosphor) glüht, und von weitem wie eine
Flamme aussieht. Sie faßt es an und schmeißt es über die
Friedhofsmauer: „Teu verfleuchtet, föllet Hulz, hun ech
mech arfert voar dir." Otto Leonhardt, von 1930 - 1936 junger Pfarrer in Zuckmantel, hat oft und gern bei seiner Arbeit im Pfarrhaus gesungen. Eines Tages nun war dem Herrn Pfarrer nicht zum
Singen zu Mute, er verrichtete seine Arbeit schweigend. Die
Magd, die ihm die Wirtschaft führt, vermißte seinen schönen
Gesang. Sie forderte ihn daher mit lauter Stimme von der
Küche aus mit folgenden Worten zum Singen auf: „Na hü
Herr Pfarr, von der Liebe!" Der Kainer (Wagner Stefan) hat einen Wagen voll grünes
Kraut an die Schandaren (rum. Gendarmerie) verkauft. Der
Wochmister (Gendarmeriechef) stellt eine Rechnung aus
und legt sie dem Kainer zur Unterschrift vor. Der Kainer unterschreibt nicht gleich, er schaut sich die Rechnung zuerst
genau an und merkt dabei, daß der Rechnungsbetrag viel
höher ist als die Summe, die er für das Kraut erhalten hat. Er
weigert sich, die falsche Rechnung zu unterschreiben. Darüber gerät der Rumäne in Wut, schlägt mit der Faust auf den
Tisch und schreit: „Ich bin der Demneseu (Herrgott) in Zuckmantel, Du mußt machen was ich Dir befehle!"
Aber der Kainer denkt ja gar nicht daran, eine Falsche Rechnung zu unterschreiben. Von nun an hat er einen schweren
Stand beim Wochmister. Der sucht nun krampfhaft nach einem Fehlverhalten seitens Kainer. Der Kainer aber ist ein
aufrechter Mann und der Wochmister hätte lange warten
können, hätten sich nicht Kainers Kühe, als sie einen Augenblick alleingelassen waren, mit dem Wagen auf die falsche
Straßenseite begeben. Kainer wird sofort auf den Gendarmerieposten befohlen. Er tritt rumänisch grüßend ein und
fragt den diensthabenden Gendarmen: „Unde dumneseu?
Dumneseu acasa?" (Wo ist der Herrgott? Ist der Herrgott zu
Hause?) Die Thummes Edith, damls noch ein kleines Schulkind, bekommt von ihrer Mutter den Auftrag, schnell zum Peteronkel
ins Geschäft zu laufen und für zwei Lei Paprika zu kaufen.
Die Edith läuft schnell, stürmt die Treppe hinauf, stößt die
Geschäftstür auf und schreit keuchend: „Ech bidden am
zwien Lei - Heil Hitler - Paprika!" „Moch det Baad, de Löt walln hiemen jean!" (Mach das Bett,
die Leute wollen heim gehen)





Von meiner Treppe, im Abendschein, seh ich die Bauern jahraus, jahrein, wie sie mit Wagen, zu Fuß und zu Pferd, müde kehren zum eigenen Herd! Sie haben mit Pflug und mit Sense gewerkt und sich aus dem Wasserkrug gestärkt, schweißklebend die Stirne, gebräunt die Hand, so schritten sie über das Ackerland. So kehren sie heim, wenn die Sonne geht und Abendrot über den Bergen steht; ein starkes, gläubiges Bauerngeschlecht, das beides ist: Hofherr und Ackerknecht! Unsere Eltern freuten sich nach sechs Tagen harter Arbeit genauso auf den Sonntag, wie wir uns heute - unter weitaus günstigeren Arbeitsbedingungen - sehnen. Zwischen der Freude von damals und dem Sehnen von heute, besteht allerdings ein gewaltiger Unterschied. Die bäuerliche Bevölkerung konnte verständlicher Weise auch damals am Sonntag nicht ganztägig die Hände in den Schoß legen, mußten doch die Tiere versorgt und die Arbeitsgeräte für den kommenden Tag zurechtgemacht und bereitgestellt werden. Immerhin reichten die freien Stunden zur Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst und für eine geruhsame Erholung von den Mühen und Plagen der vergangenen Arbeitswoche. Nach der Fütterung der Haustiere wurde in der Früh im Hof und auf der Gasse gekehrt, dann bereitete sich alles auf den Kirchgang vor. Beim Gottesdienst waren alle Dorfbewohner in der Kirche versammelt. Andächtig lauschten sie den Worten des Pfarrers, wenn er das Evangelium auslegte, und wie ein Flehen aus tiefster Seele erscholl ihr Gesang im Verein mit der brausenden Orgelmusik in der Weite des Kirchenschiffes. Betende Bauern in langen Reihen, Sonne lacht durch die Fenster herein. Harte Gesichter, knochig und braun, zu dem Bild des Gekreuzigten schaun. Junges Korn, das der Wind beweht, schließen sie ein in ihr Gebet. Aus den Falten im dunklen Gesicht Mühe und harte Arbeit spricht. Durch die Felder grüßt der Mai, mancher sieht es nur nebenbei. In den Bänken in langen Reihn beten die Bauern um Korn und Wein. Zur Mittagsstunde saß man um den großen Eichentisch beim Sonntagsbraten. Die Mutter wartete zur Feier des Tages zusätzlich feine Mehlspeisen auf, die sie noch am Vorabend gebacken hatte. Der Vater holte am Sonntag jene Sorte Wein aus dem Keller, die sonst nur kredenzt wurde, wenn ein besonders lieber Gast dem Haus die Aufwartung machte. Im Anschluß an das Mittagessen blieben sie alle - mit Ausnahme der Mutter und der Magd, die das Eßgeschirr reinigen mußten - noch eine Weile um den Tisch versammelt und besprachen Neuigkeiten. Die Älteren zogen sich dann zu einem kurzen Mittagsschläfchen zurück, die konfirmierte Jugend aber ging, Burschen und Mädchen getrennt zum Zugang. Sommersonntag. Wir stehen bereit in der Stube im Kirchen- kleid, stramm die Gebärde, streng das Gesicht, hören wir, was der Wortknecht spricht. Ernst erwiedert der Altknecht den Gruß, lädt zur Klage und Beschluß, und wir sitzen gemessen und stumm um den eichenen Tisch herum. Links vom Altknecht, besonnen und frei, halten der Knechtväterzwei, nicken manchmal und schlichten still, wenn sich Gezänk erheben will. Neben mir die Brüder im Amt sitzen ernst im schwarzen Gewand, schlagen den Kotzen zurück von der Brust, sind sich ihrer Würde bewußt. Weiter rückwärts, die Stirn in Falten, sich die Jüngsten verschüchtert halten; nicht ein einziger zu sprechen wagt, so er nicht vom Altknecht gefragt. Durch die Fenster in tausend Lichtern spielt die Sonne auf braunen Gesichtern. Kaum zuckt einer die Wimper nur, kommt man im auf verbotene Spur. Sommersonn tag, wir stehen bereit, in der Stube im Kirchenkleid. Streng die Gebärde, hart die Hand, tragen ein Licht in dunklem Land. Am Sonntag, wo kein Zugang und keine Vesper war, gab sich die Jugend - nach Altersgruppen getrennt - ein Stelldichein. Unter Lachen und Fröhlichsein, wie es eben nur jungen Menschen mit unbeschwerten Gemütern eigen ist, wanderten Burschen und Mädchen, je nach der Jahreszeit, entweder über die Felder ins Nachbardorf, betrieben Sport oder belustigten sich in sonstiger sinnvoller Weise. Die Frauen und Männer saßen am Nachmittag vor den Häuseren auf der Gasse. Man redete über dieses und jenes und aß von dem frischen Poppkorn (Kokesch), den die Zigeunerin (Tika Mitzi, Anka oder der Lechstern) für ein paar Eier und ein Stück Speck in ihrem großen Deckelsieb mit dem langen Stiel über dem offenen Maisstengelfeuer im Hof gemacht hatte. So eilte die Zeit rasch dahin und im Nu mußte man wieder auseinander gehen, denn es war hoch an der Zeit, mit der Abendfütterung zu beginnen und zu melken. Zum Nachtmahl versammelten sich wieder alle Familienmitglieder um den Küchentisch. Nach dem Essen verließen die Jungen abermals den Hof, sie wollten mit der Jugend noch einen kleinen Abendbummel durch die Dorfstraße machen. Wenn sie vom Gehen müde waren, setzten sie sich gruppenweise hin und sangen schöne Lieder, wie es einst ihre Eltern taten. Dabei kamen alle alten Volksweisen, lustige und traurige, wie sie ihnen gerade einfielen, an die Reihe. Die Alten lagen inzwischen bereits in ihren Betten. Sie lauschten mit Wohlgefallen dem Gesang ihrer Kinder, der in der nächtlichen Stille des Sonntagabends wie ein Gruß aus seligen Jugendtagen klang - ganz nahe zuerst, dann ferner, immer ferner, bis er schließlich gänzlich verstummte. Die Kinder hatten ihre Eltern in den Schlaf gesungen. Wie ganz anders sieht es doch heute am Sonntag in den Dörfern unserer neuen Heimat aus. In vielen Gegenden sind die Pferde fast zur Gänze, die Rinder zum überwiegenden Teil' verschwunden. Ihre Fütterung belastet daher kaum mehr das Sonntagsvergnügen der bäuerlichen Familienmitglieder. Viele Bauernsöhne und Töchter haben längst bei Baufirmen oder in Fabriken Arbeit gefunden und kommen nur am Abend oder gar erst zum Wochenende in das Dorf zurück. Die auf dem Hof zurückbleibenden Eltern können